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“Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor” mit Dr. Klaus Math

Warum die Digitalisierung in der Lebensversicherung sekundär ist und mehr Wert auf der Kernnutzenstiftung liegt.

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“Digitale Transformation ist ein Hygienefaktor” mit Dr. Klaus Math

Warum die Digitalisierung in der Lebensversicherung sekundär ist und mehr Wert auf der Kernnutzenstiftung liegt.

Die LV 1871 ist ein mittelständischer Lebensversicherer mit 850 Millionen Euro Beitragseinnahmen. Sie sind spezialisiert auf Berufsunfähigkeitsversicherung und private Altersvorsorge und wurden unlängst zum zweiten Mal mit dem Digital Champion von Focus Money ausgezeichnet.

Doch gerade in der Lebensversicherung, wo wenige Transaktionen stattfinden, erklärt Klaus, sind digitale Prozesse zweitrangig. Stattdessen fokussiere man sich auf die Kernnutzenstiftung. In diesem Versicherungsbereich spiele die Digitalisierung von Prozessen und Abläufen ohnehin eine geringfügige Rolle dabei, sich einen Wettbewerbsvorteil am Markt zu erringen, erzählt er weiter. Er sieht die digitale Transformation eher als Notwendigkeit an, denn als große Profitchance. Mithalten sei die Devise, doch digitale Vorreiter seien andere. Für die LV 1871 ginge es stattdessen um Themen, wie die Finanzstärke des Unternehmens, Produktservice und einen günstigen Versicherungsschutz.

Einen wichtigen Schritt hin zur Stabilität des Unternehmens sieht Klaus in der Unabhängigkeit von Kapitalmarktschwankungen. Zu diesem Entschluss sei die LV 1871 Anfang der 2000er Jahre gekommen. Die anhaltenden Verwerfungen am Markt, Finanzkrisen und der Rückgang der Zinsen haben den Eindruck verfestigt, dass diese Entwicklungen keine einmaligen Vorkommnisse seien, sondern von Dauer sein könnten. So habe man den eigenen Bestand an biometrischen Versicherungen in diesem Zeitraum aufgestockt und liege hier bis heute über dem Marktdurchschnitt. Von dem hohen Druck die höchste Überschussbeteiligung erzielen zu müssen, hat man sich zugunsten der Kernnutzenstiftung befreit, meint Klaus.

Wichtig sei auch der frühe Einsatz von Daten gewesen, wenn es um die Analyse der Geschäftspartnerbeziehungen geht. Hier werde mit eigens programmierter Software gearbeitet, um Daten bis auf die Mikroebene hin gewinnen und einsetzen zu können: Wie hoch ist das Storno-Risiko eines Vertrags? Kann der Break-Even Point der Lebensversicherung noch erreicht werden? Ist der aktuelle Geschäftsjahrgang profitabel? Dieses Vorgehen sei notwendig, um den langfristigen Erfolg des Geschäfts gewährleisten zu können. “Heute würde man es Data Science nennen”, sagt Klaus. Ziemlich einzigartig sei damals auch die Einspeisung der aus den Daten gezogenen Erkenntnisse in die Vertriebssteuerung gewesen. Ist eine Geschäftsbeziehung nicht ausreichend profitabel, habe das Konsequenzen - bis zum Abbruch der Verbindung. Auch das ist eine Form der Digitalisierung, meint Klaus. Die Verknüpfung von IT-Ressourcen, Daten und dem Willen, die nötigen Entscheidungen auf politischer Ebene durchzusetzen seien bei dem ganzen Vorhaben von zentraler Bedeutung.

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